Was hat sich in 35 Jahren verändert?
Ein Sprechzimmer im neuen ProMami Zentrum in der Wienerstraße in Amstetten. Es der 11. Standort in Niederösterreich. Draußen ist Spätsommer, drinnen ein Stapel Mutter-Kind-Pässe auf dem Tisch. Beatrix Cmolik hat diese ruhige Aufmerksamkeit, die man bei Menschen findet, die beruflich zuhören. 35 Jahre Hebammenarbeit liegen hinter ihr, die Pension in greifbarer Nähe. Wer so lange dabei ist, hat gesehen, wie sich alles einmal gedreht hat.
Frau Cmolik, 35 Jahre. Was war am Anfang anders?
Fast alles. Als ich begonnen habe, wurde ein Neugeborenes noch gründlich gewaschen, gepudert, eingecremt. Die Käseschmiere galt als etwas, das man entfernt. Heute wissen wir, dass sie ein natürlicher Schutz ist, den man einfach einziehen lässt.
Wurde damals mehr gepflegt als heute?
Deutlich mehr. Es gab Puder, Öle, Waschzusätze, für alles ein eigenes Produkt. Der Grundgedanke war, dass Pflege etwas ist, das man hinzufügt. Heute denken wir eher umgekehrt und fragen, was die Haut selbst schon kann.
Was hat diesen Wandel ausgelöst?
Zum einen die Forschung zur Hautbarriere. Wir verstehen heute, wie dünn Babyhaut wirklich ist und wie viel sie aufnimmt. Zum anderen die Erfahrung. Ich habe über die Jahre schlicht gesehen, welche Kinder weniger Hautprobleme hatten. Es waren nicht die, die am meisten eingecremt wurden.
Und was hat sich beim Umgang mit den Eltern verändert?
Das ist die größere Veränderung. Früher wurde angeordnet. Heute wird begleitet. Ich sage einer Mutter nicht mehr, was sie zu tun hat, sondern schaue mir an, was ihr Kind braucht, und erkläre es ihr.
Was braucht Babyhaut in den ersten Wochen?
Sie lacht kurz, als ich nach der Pflege frage. Diese Frage kenne sie gut, sagt sie, und sie komme an fast jedem Wochenbett. Dann steht sie auf, holt einen Waschlappen aus dem Regal und legt ihn zwischen uns auf den Tisch. Für die ersten Wochen sei das eigentlich schon die halbe Ausstattung.
Was fragen junge Eltern Sie am häufigsten zur Hautpflege?
Ob sie genug tun. Fast immer geht es in diese Richtung. Dabei ist die Antwort meistens die umgekehrte. Sie tun eher zu viel.
Wie oft sollte ein Neugeborenes gebadet werden?
Ein bis zwei Mal pro Woche reicht völlig. In den ersten zwei bis vier Wochen genügen ohnehin Wasser und ein Waschlappen. Übermäßiges Baden trocknet die Haut aus, und Babyhaut ist deutlich dünner als unsere, ihr Säureschutzmantel baut sich erst auf.
Was gehört dann tatsächlich in den Wickelkorb?
Sehr wenig. Eine milde Lotion nach dem Baden, ein Balsam für den Windelbereich. Das ist die Basis. Alles Weitere ergänzt man erst, wenn die Haut es tatsächlich zeigt, und nicht, weil ein Produkt es verspricht.
Worauf achten Sie bei der Zusammensetzung?
Auf das, was nicht drin ist. Keine Mineralöle, keine Parabene, keine synthetischen Duftstoffe. Babyhaut nimmt alles schneller auf, deshalb ist jeder Inhaltsstoff eine Entscheidung. Und bitte immer trockentupfen, bevor ein Balsam aufgetragen wird. Auf feuchter Haut kann sich kein ordentlicher Schutzfilm bilden.
Warum ist Berührung wichtiger als jede Creme?
Draußen wird es dunkler, im Nebenraum räumt jemand Stühle zusammen. Beatrix Cmolk wird für einen Moment leiser. Nicht weil das nächste Thema heikel wäre, sondern weil es ihr offensichtlich am meisten bedeutet.
Sie sprechen viel von Berührung. Warum?
Weil sie der eigentliche Inhalt jeder Pflege ist. Wenn Eltern eine Lotion einmassieren, passieren zwei Dinge gleichzeitig. Die Haut wird gepflegt, ja. Aber vor allem entsteht Nähe. Das Baby spürt Hände, Wärme, Aufmerksamkeit. Das ist nichts Nebensächliches.
Hat sich auch das über die Jahre verändert?
Sehr. Als ich anfing, war Berührung kein Thema, über das man fachlich sprach. Sie kam einfach vor oder eben nicht. Heute wissen wir, wie viel sie bewirkt, und wir sagen es den Eltern auch.
Gibt es dafür einen richtigen Zeitpunkt?
Nach dem Baden ist es naheliegend, weil man ohnehin beisammen ist. Aber ehrlich gesagt gibt es keinen falschen Zeitpunkt. Ein zwickendes Bäuchlein am Nachmittag, ein paar Tropfen Öl, im Uhrzeigersinn massiert, weil das der Bewegungsrichtung des Darms entspricht. Das hilft dem Kind und beruhigt die Eltern gleich mit.
Was empfehlen Sie Eltern, die verunsichert sind?
Weniger Produkte, mehr Wiederholung. Die Haut liebt Verlässlichkeit, und Babys lieben Rituale. Ein Ablauf, der jeden Abend gleich ist, gibt Orientierung. Ein vertrauter Duft im Raum hilft beim Übergang ins Schlafen, aber bitte nie direkt auf den Körper, sondern auf die Bettwäsche.
Was braucht eine junge Mutter Ihrer Erfahrung nach am meisten?
Die Rückversicherung, dass alles gut ist und sie alles richtig macht. Einfach ein gutes Bauchgefühl. Nach vierzig Jahren in diesem Beruf würde ich sagen, das ist die eigentliche Aufgabe. Alles andere ist Handwerk.
Häufige Fragen zu Babypflege und ProMami
Ein bis zwei Mal pro Woche genügt vollkommen, in den ersten zwei bis vier Wochen reichen Wasser und ein Waschlappen aus, häufigeres Baden trocknet die zarte Haut aus.
Sehr wenige, meist genügen eine milde Lotion nach dem Baden und ein Balsam für den Windelbereich, alles Weitere ergänzt man erst, wenn die Haut es tatsächlich zeigt.
Niederösterreichische Hebammen haben sich im Verein ProMami zusammengeschlossen, um ihre Leistungen flächendeckend und in hoher Qualität anzubieten. Der Verein betreibt aktuell zehn feste Standorte und begleitet Familien vom Kinderwunsch über die Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Sie finden ProMami in Waidhofen an der Thaya, Hollabrunn, Mistelbach, Patronell, St. Pölten, Purgstall, Amstetten, Waidhofen an der Ybbs und St. Valentin.
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.promami.at
